H Kennzeichen

MYTHOS H KENNZEICHEN

Wir haben es – das „H-Kennzeichen“, den „heiligen Gral der Oldiemobilfahrer“. Alle, die ein älteres Wohnmobil besitzen, „fiebern“ diesem Moment entgegen, bedeutet er doch günstige Steuern, Versicherungen, freie Fahrt egal wo … Moment! Das ist die Theorie.

In der Praxis bedeutet es: Arbeit, nämlich WoMo Instandhaltung auf historisch wertvollem Niveau.

Dafür erhält man dann (zumindest im Moment noch) tatsächlich günstige, pauschale Steuern und freie Fahrt durch Umweltzonen – auch wenn wir natürlich versuchen, das zu vermeiden. Nur mit der Versicherung ist das so eine Sache, denn die ist NICHT automatisch günstiger (Details siehe unten).

Und im Ausland zählt das „H“ meistens auch nicht viel, falls überhaupt jemand dort dessen Bedeutung kennt.

Dennoch ist es eine Auszeichnung – und macht uns richtig stolz.

Auf dem Weg zum „H“

haben wir jedoch soviel Unsinn, Behauptungen und Mythen gehört und gelesen, dass wir hier unsere realen Erfahrungen und Tipps gern weitergeben möchten (Stand Ende 2018, Anfang 2020 nochmal geprüft):

DIE BASICS

Beim H Kennzeichen geht es grob gesagt darum, dass das Fahrzeug vor allem optisch dem Originalzustand bzw. „zeitgemässem Original“ entspricht. Mehr dazu u.a. hier:

https://www.vdtuev.de/news/h-kennzeichen-zulassung-als-oldtimer-280217
https://www.bussgeldkatalog.org/autokennzeichen/h-kennzeichen/
https://www.autobild.de/themen/h-kennzeichen/

DIE PRÜFER

Wir haben von TÜV/Dekra Prüfern gehört, die sich angeblich ziemlich „aufspielen“ und alles (nur weil sie es dürfen) viel ZU genau nehmen. Wir haben diese Sorte Mensch zum Glück nicht kennengelernt. Unser Prüfer war korrekt, aber fair.

Natürlich muss der Wille zu sehen sein, den historischen Fahrzeugwert zu pflegen und zu erhalten. Wenn schon zu merken ist, dass man nur schnell das H-Siegel haben will, dann schalten fast alle Prüfer (zu recht) auf „stur“.

Am besten fährt man vorher einfach mal hin und erkundigt sich, wer prüft und was wichtig ist. Wenn das Fahrzeug fahrbereit ist, natürlich am besten gleich mitnehmen. Merkt man dann, dass die persönlich „Chemie“ nicht stimmt – gar nicht erst weiter diskutieren. Einfach zu einem anderen Prüfer fahren, der die Bestimmungen ernst nimmt, sich aber nicht zum Gott macht.

Für dieses H-Gutachten beim TÜV/Dekra zahlt man dann rund 100 Euro, geht damit zur Zulassungstelle, meldet den Wagen mit einem H-Kennzeichen an und bekommt automatisch Vorteile bei der KFZ-Steuer.

DIE KFZ-STEUER

ist beim H Kennzeichen wie beschrieben automatisch ab „H“-Zulassung günstiger, d.h. pauschalisiert: https://www.pkw-steuer.de/kfz-steuer_oldtimer.html

Ausserdem darf man mit dem „H“-Kennzeichen ohne Einschränkungen durch Umweltzonen fahren – was wir wegen des Rollis aber sowieso dürften. Natürlich versuchen wir trotzdem, uns anwohner- und umweltgerecht zu verhalten.

DIE VERSICHERUNG

ist NICHT automatisch günstiger. Hier hatten wir ein böses Erwachen – und können jedem nur raten, sich NICHT auf die Info des Freundes vom Bekannten etc. zu verlassen.

Die Idee war ja gut – wir waren die Könige mit dem H Kennzeichen in der Tasche, jetzt nur noch schnell eine Versicherungsnummer und ab zur Anmeldung!

Ja, nee, eben nicht.

Plötzlich standen wir vor dem Wirrwarr der verschiedenen Gutachten, Tarife und  Bestimmungen. Sogar für unseren (sehr guten!) Versicherungsfachmann war das der totale Dschungel, denn weder die Angaben in den internen Agentursystemen, noch die vollmundigen Versprechen der Verischerungswebseiten wurden eingehalten.

Findet man eine Versicherungsgesellschaft, die angeblich „alle“ Oldtimer versichert, heißt es dann wahlweise (Auszüge aus unseren Gesprächen mit -zig Versicherern):

  • „oh, Entschuldigung, das machen wir nicht mehr.“
  • „oh, nein, Campingfahrzeuge versichern wir gar nicht, egal welches Alter“
  • „ja, aber nur mit Wertgutachten, das reine H Gutachten genügt nicht“
  • „gern, aber nur mit 8000 km Jahresfahrleistung“
  • „sicher, aber nur, wenn Sie das Fahrzeug nicht zum Campen nutzen“ (Hallo?)

Tja, autsch.

Wer das grosse Glück hat, und bereits eine Oldtimer-Versicherung ohne „Pferdefüsse“ für sein Wohnmobil besitzt: nicht wechseln!

Die meisten Versicherer gaben offen zu, dass sie gerade jetzt (2018) erst anfangen, ihre Bestimmungen deutlich zu verschärfen. Also – wer noch ein „Bestandskunde“ ist, bleibt besser bei seinem Vertrag!

DIE VERSICHERUNGSINFOS IM EINZELNEN:

1. H Gutachten und WERT Gutachten

Damit man eine Oldtimer-Versicherung bekommt, ist inzwischen meistens noch ein weiteres „Wertgutachten“ erforderlich. Und: es können weitere Einschränkungen gelten (Nutzungsarten, jährliche Fahrleistung etc.).

Es muss also sauber unterschieden werden:

a) Das H-Gutachten

ist der Lappen, den der TÜV/Dekra ausstellt (siehe oben). Damit darfst Du Dein Fahrzeug als Oldtimer beim Strassenverkehrsamt anmelden und hast eine günstige Steuer. Im H-Gutachten stehen bereits einige Bewertungen, diese sind aber nur für die Gesamtbewertung als „historisches Fahrzeug“ (also das endgültige ja/nein des Prüfers) relevant – NICHT für die Versicherung.

b) Das Wert-Gutachten

ist ein zusätzliches Gutachten, das über den Gesamtzustand (innen/aussen) des Fahrzeugs Auskunft gibt. Es wird von einem dafür vereidigten Prüfer erstellt und kostet nochmal Extra-Gebühren. Diese Bewertung endet mit einer Gesamtnote und einem Fahrzeugwert, siehe u.a. => https://www.classic-data.de/fahrzeugbewertung/

Vorteil: im Schadensfall hilft ein Wertgutachten natürlich sehr, denn damit kann der entstandene Schaden schnell und exakt beziffert werden. Ein Wertgutachten macht also (bei gutem Fahrzeugzustand) immer Sinn, für die normale Versicherung ebenso wie für die Oldtimer-Tarife.

Risiko: die Bewertung erfolgt im Schulnotensystem (1 = sehr gut, 2 = gut usw.). Endet man schlechter als „3“, lehnen es die meisten Versicherer ab, das Fahrzeug aufzunehmen. Voraussetzung ist fast immer eine Note mit max. „3“, besser darunter.

2, INDIVIDUELLE RECHNUNG

Man muss also immer individuell rechnen, was sich persönlich eher lohnt, d.h. man muss diese beiden Versicherungsmöglichkeiten einander gegenüberstellen:

Möglichkeit A – Versicherung als Oldtimer

Selbst, wenn sie angeblich „alle Oldtimer“ versichern, nehmen viele Versicherer inzwischen schon gar keine Wohnmobile mehr als Oldies an. Und wenn, dann verlangen fast alle das oben genannte Wertgutachten, also ist die Rechnung:

Kosten für das Wertgutachten plus Versicherungstarif. 

Positiv: bei einer Oldtimerversicherung muss man nicht auf den sog. „Rabattschutz“ achten, d.h. wenn man einen Unfall „baut“, kann man nicht in eine schlechtere Tarifklasse herabgestuft werden, da Oldtimertarife gar keine Schadensfreiheitsklassen haben. Stattdessen kann der Versicherer direkt kündigen, wenn man nicht aufpasst. Darum gleich zum nächsten Punkt …

Negativ: bei allen Oldtimertarifen unbedingt vorher ganz genau das Kleingedruckte lesen, d.h. tatsächlich die kompletten Unterlagen und alle Versicherungsbestimmungen anfordern. Denn je nach Versicherung kann der Oldtimer-Tarif noch weitere Einschränkungen beinhalten, wie z.B. Nutzungsauflagen (nicht als Campingfahrzeug – was natürlich totaler Hohn ist, nicht als Alltagsfahrzeug, es muss ein „normaler“ Wagen vorhanden sein usw.), Beschränkungen der jährlichen Kilometerzahl usw.

Möglichkeit B – normale Versicherung

Die einzige Alternative zum Oldtimertarif ist die ganz normale Autoversicherung (Haftpflicht, Teilkasko oder Vollkasko). Hier kommt es dann auf ganz persönliche Werte (SF also Schadensfreiheitsklasse, Anzahl und Alter der Fahrer, Alter des Führerscheins, Abstellort, Zulassungsregion etc etc etc) an.

3. … uff. Und nun?

Es kann NIEMAND ohne alle vorgenannten Informationen und Daten eine seriöse Auskunft geben, welche Versicherung die beste oder gar günstigste ist. Hier muss man sich gründlich selbst informieren.

Natürlich kann man immer noch von den Erfahrungen anderer profitieren, d.h. man kann sich über Verhalten der Versicherung im Schadensfall, Vergleich von Vertragsarten, Tipps für gute Versicherungsmenschen etc.  austauschen. Aber die persönliche Wahl muss man schon selbst bzw. mit Hilfe des Versicherungsmenschens treffen.

UNSER AKTUELLER STATUS:

Das „H“ ist schon cool.

Man fährt offiziell als historisches Fahrzeug und die meisten Verkehrsteilnehmer nehmen dementsprechend mehr Rücksicht auf die betagte Motorleistung.

Und natürlich haben wir bereits eine deutliche Steuer-Ersparnis.

Das mit den freien Umwelt-Zonen ist auch gut, aber wir sind ja bereits mit Rolli an Bord unterwegs, also dürften wir dort sowieso hineinfahren. Mit „H“ ist es nur offensichtlicher fürs Publikum, das macht es etwas angenehmer.

Ob und wie letztendlich aber auch die Versicherung durch das „H“ günstiger werden wird, muss sich noch zeigen.

Das Wertgutachten lohnt sich für uns noch nicht, denn aussen sieht der Fidelibus zwar wieder top aus, aber innen ist die Renovierung noch lange nicht fertig. Das hiesse, wir müssten nach dem Innenausbau direkt nochmal ein Wertgutachten machen – also doppelt zahlen, und das wäre Unsinn.

Nach mehreren Tagen intensiver und dennoch frustrierender Suche hatten wir die berühmte „Schnauze voll“ und fahren wir jetzt erstmal auf einem zweiten, normalen Teilkasko-Vertrag. Zum Glück war bei uns noch eine recht gute SF Klasse möglich.

Bis zum Jahreswechsel (d.h. bis Ende November, damit wir im positiven Fall rechtzeitig wechseln können) werden wir hier nochmal schauen:

Wir werden dann berichten, ob und wo wir uns neu versichert haben.

Falls Ihr auch gerade „am H dran“ seid: Viel Erfolg!


Update: wir haben es schliesslich ganz normal kasko-versichert, zuerst bei der Allianz, jetzt beim ADAC. Da Autoversicherungen immer sehr individuell sind, fragt am besten den Versicherungsmenschen Eures Vertrauens oder checkt die üblichen Vergleichsplattformen im Internet. Eine spezielle „Oldtimer-Versicherung“ würden wir nicht nehmen, weil die meistens viel zu viele Einschränkungen haben. Wir sind beim ADAC sehr zufrieden, weil der zusätzliche Absicherungen für die Fahrer bietet und eine Inhaltsversicherung (sowas wie eine „Hausratsversicherung“ für alles, was im Wohnmobil drin ist). Das waren für uns wichtige Punkte. Macht Euch eine eigene Liste und geht damit dann los und vergleicht.

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