WoMo Gebrauchtkauf – unsere Tipps

Wir sind ja nun schon ewig mit Wohnmobil und/oder Wohnwagen unterwegs, und mit unseren „Er-FAHR-ungen“ haben wir uns inzwischen in verschiedenen Foren und Gruppen ein gewisses Ansehen erworben. An dieser Stelle erstmal ein dickes DANKE für Euer Vertrauen, den Spaß und die netten Kontakte!

Darum werden wir auch immer gern wieder nach unserer Meinung gefragt – vor allem, wenn es um den Kauf eines gebrauchten Wohnmobil-Oldies und noch spezieller um Hymer und Fiat Ducato 280 geht. Also haben wir hier einiges rund um den Gebrauchtkauf zusammengestellt.

Wir können natürlich nicht in jedes Fahrzeug „reinschauen“, schon gar nicht aus der Ferne. Und trotz aller Erfahrung und aller guten Tipps: es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren – und WIRD auch passieren, denn das ist das einzig Sichere und ein großer Teil des Abenteuers „Wohnmobil“ *lol … wo kämen sonst die vielen tollen Geschichten her?

Wichtige Hinweise: Anwendung auf eigenes Risiko

Zu unserer Absicherung (denn es gibt auch böse Menschen da draußen, die gern aus gut gemeinten Tipps einen rechtlichen Strick drehen … und das möchte ja niemand): alles hier ist rein private  Meinung und weder eine technische noch eine Rechtsberatung. Jede/r ist für seine/ihre Entscheidungen oder die Umsetzung unserer Ratschläge selbst verantwortlich. Unsere Texte erheben keinerlei Anspruch auf absolute Richtigkeit und/oder Vollständigkeit, denn dies hier ist nur unsere rein persönliche Meinung und Erfahrung. Sonst nichts.

Sind wir uns einig? Gut, dann los:

„Soft Facts“ – oder: Die Chemie muss stimmen

Ein Oldie ist ein Oldie, kein Neuwagen. Erwartet nicht, dass alles ok ist. Sagt das auch dem Verkäufer. Besprecht alles, was wichtig ist – und das so offen wir möglich. Hochnäsigkeit als Käufer ist beim Oldiekauf absolut hinderlich. Niemand mag einem Schnösel erzählen, dass (und warum) irgendwo noch was mit Panzerband geflickt ist. Oder dass der Kühlschrank zwar anspringt, aber nicht mehr soooo gut kühlt. Andererseits braucht Ihr auch kein Fahrzeug von jemandem zu kaufen, der Eure offenen Fragen nicht beantworten will.

Ihr müsst also eine Ebene zueinander finden, die „Chemie“ muss stimmen – nur so kommt Ihr an gute, ehrliche Informationen und könnt Euch entscheiden und fair verhandeln. Ihr sollte ja nicht gleich heiraten oder neue Freunde finden, aber man muss schon vernünftig miteinander reden können, denn es wird immer nochmal (auch später) eine Frage zum Fahrzeug geben. Das Beste ist, wenn man ganz offen persönliche Adressen und Telefonnummern austauschen kann, das schafft die erste Vertrauensbasis. Denn nur, wer was zu verbergen hat, will hinterher nicht gefunden werden.

Und konkret – worauf wir achten würden

Wir werden an dieser Stelle nicht auf Größe, Gewicht, Grundriss oder Fahrzeugtyp eingehen, denn das ist viel zu individuell.

Guckt einfach, …

⊕ mit wievielen Personen und ggf. Haustieren Ihr so unterwegs seid (also wen und WAS Ihr alles mitnehmen wollt oder müsst)

⊕ was Eure Fahrziele sind (Offroad und Festival? Oder eher feste Plätze? Innenstädte oder Landschaften?)

wieviel bzw. wie lange Ihr fahren wollt (Kurztripps, wochenlange Urlaubsreise, vielleicht sogar Zweitwohnsitz?). Hierzu eine Seitenbemerkung: von Nicht-Oldie-Fahrern hört man oft verächtlich, dass die alten Maschinen mit ihren paar PS nicht mal die Alpen hochkommen würden. Ok, Hochplateaus schaffen unsere Kisten vielleicht nicht – aber Kroatien hin und zurück sind auch mit einem alten 75 PS Diesel kein Ding. Denn hier geht die Motor-Kraft noch ins Fahren, nicht in den Bordcomputer 😉

wie fit Ihr seid – Hä? Ja, genau. Denn: ist es wirklich ok für Euch, ein Bett vielleicht immer erst umbauen zu müssen, oder ist eine feste Bett-Lösung besser für Euch? Wie wendig seid ihr, um alles im Fahrzeug zu verstauen – oder sollte es nicht doch besser eine große Heckgarage sein? 

Das alles ist wichtig, aber eben SO individuell, dass wir dazu keine konkreten Tipps geben können. Ihr solltet es halt nur berücksichtigen und für Euch entscheiden.

Wenn Ihr Euch dann für ein konkretes Fahrzeug interessiert, haben wir folgende Tipps:

  • Gesamteindruck: wie bei einer Partnerschaft – wenn irgendwas im ersten Moment nicht ok erscheint, dann guckt genauer hin. Und wenn das Fahrzeug Euch sofort begeistert, dann trotzdem nicht blenden lassen.
  • Andere Farbe oder „bearbeitete Stellen“ – immer sehr genau anschauen. Warum sind die so wie sie sind?
  • Karosserie: sollte insgesamt gut aussehen. Dellen ansprechen (ja, alte Fahrzeuge haben welche, aber wenn es auffällig viele oder große sind, dann nachhaken). An allen Kanten mal kurz drücken (vorher fragen!), an den Stoss-Stangen ruckeln und auf die Reaktion des Verkäufers achten. Roststellen und Flickwerk sehr genau angucken.
  • Fahrradträger: Befestigungen checken
  • Unterboden! Unbedingt druntergucken. Gründlich. Sehr gründlich. Mit Lampe. Also: Gegenklopfen, Rost / Gammelstellen begutachten – das ist bei Gebrauchten normal, muss aber entweder schon behandelt oder „noch ok“ sein.
  • Dach! Genau dasselbe – Leiter nehmen und draufgucken, Kanten checken, Fenster checken. Wenn hier was undicht, „übertüncht“ oder geflickt ist, dann habt Ihr schnell ein fettes Problem. Ok, manche Reparaturen sind super gemacht und sehen auch einfach nur mal Sch… aus (war bei uns auch so), aber dann guckt Euch sehr gut an, ob das, was da gemacht wurde, Sinn macht und hält!
  • Aussenhaut: alle Kanten angucken, Dichtungen checken. Kurz draufdrücken – es darf kein Wasser vorquillen. Die Dichtungen dürfen nicht hart oder brüchig sein. Gibt es Dellen oder kleine Löcher? Wir wurden diese behandelt? Weist irgendetwas auf Alufraß hin? (Link dazu folgt noch)
  • Türen: leichtgängig? Dicht? Oder irgendwie verzogen? Wie gut schließen die Schlösser? Wie sehen die Isolierungen aus?
  • Fenster: alle ok, oder ist irgendwas rissig bzw. zerkratzt? Unbedingt öffnen, feststellen, kurbeln … alles ausprobieren. Ist Feuchtigkeit in den Fenstern des Aufbaus zu erkennen? Sitzen alle Fenster fest, oder sind irgendwelche Befestigungen locker / weich / nicht vorhanden / schwergängig ?
  • Innen: achtet genau auf den Zustand aller Einbauten. Welliges Material und Farbveränderungen ansprechen (weist auf Wasserschäden hin), alle Einbauten und Wände abklopfen, alle Schränke öffnen. Alles zeigen lassen: Kühlschrank ein/ausschalten, Wasser laufen lassen, Boiler, Heizung … es ist ok, wenn etwas nicht funktioniert (wir reden ja von Oldies), aber dann müsst Ihr zur Kaufentscheidung auch wissen WAS und WARUM.
  • Feuchtigkeitsmessung: alle Methoden hierzu (Messgeräte aller Art, verschrobene Tipps usw.) zweifeln wir an. Wenn der Verkäufer ein „böser Bube“ ist, hat er wochenlang einen Entfeuchter laufen lassen oder das Fahrzeug trocken abgestellt. Dann ist da aktuell keine Feuchtigkeit messbar – und zwei Wochen später läuft das Wasser an den Wänden runter … alles schon gesehen. Hier kann man beim Kaufen höchstens auf Schadensbegrenzung achten, mit allen hier schon vorher genannten Punkten. Und: bei alten Campingmobilen müsst Ihr IMMER mit Feuchtigkeit rechnen, wer was anderes behauptet, hat nie jahrzehntelang dasselbe Fahrzeug gehabt. Es geht eben nur darum, wie gut das Fahrzeug jetzt dasteht, das heisst: ob alle Dichtungen so sind, wie sie sein sollen, ob Wände oder Möbelbretter trocken, sauber und nicht „weich“ oder fleckig sind, ob Alufrass zu sehen ist – und natürlich, ob es nicht wirklich irgendwo direkt „nass“ ist. Und wenn der Verkäufer direkt zugibt, dass das Fahrzeug einen Wasserschaden oder Dichtigkeitsprobleme hatte – dann lobt seine Ehrlichkeit und lasst Euch zeigen, was daran gemacht wurde. Wenn Ihr irgendwelche Zweifel habt oder nicht wißt, ob das, was Euch da erzählt wird, ok ist, dann macht (gute!) Fotos und Notizen, und fragt nochmal bei anderen, die dasselbe oder ein ähnliches Fahrzeug fahren. Hier kann man auch immer gut auf das „Schwarmwissen“ in den Foren und Facebookgruppen zurückgreifen.
  • Manche sagen „Riechen“. Angeblich würde man so Undichtigkeiten und Schimmel erkennen. Wir zweifeln daran. Zum einen lässt sich jeder Geruch irgendwie überdecken. Zum anderen kann es in einem Fahrzeug, das vielleicht schon Monate irgendwo rumgestanden hat, durchaus mal muffig riechen. Entscheidet selbst.
  • Motor: drunterlegen, nach Feuchtigkeiten / Verölung gucken. Im Motorraum und UNTER dem Motor. Aber auch nicht von einem blitzsauberen Motorraum blenden lassen. Arbeitspferde dürfen Dreck an den Hufen haben Alle Anschlüsse prüfen, ob irgendwas brüchig oder verklebt / repariert ist – wenn ja, warum? Auf Roststellen und Feuchtigkeit an der Motorhaube, vor allem am Anschluss zur Windschutzscheibe hin (sog, „Windlauf“) prüfen. Hier haben alle Oldies Schwachstellen, die teuer werden können.
  • Fahrverhalten: unbedingt eine Testfahrt machen, auch mit Autobahn. Rüttelt irgendwas? Zieht er geradeaus, wenn man das Lenkrad loslässt, oder zieht er zur Seite? Schaltet er sauber? Alte Ducato 280er haben ein bekanntes Problem mit dem 5ten Gang, fragt danach und probiert es aus. Was für ein Fahrgefühl habt Ihr insgesamt? Nehmt den Verkäufer gern zur Testfahrt mit, und lasst eine Begleitung gucken, ob der bei irgendeinem Fahrverhalten von Euch nervös wirkte. Wenn ja, ansprechen.
  • Reparaturen: was ist gemacht worden? Und wann? Gibt es Belege? Lasst Euch zeigen, was wo repariert wurde und macht Euch selbst ein Bild, ob es für Euch ok erscheint.
  • Werkstatt-Check: fragt nach, ob es ok ist, wenn Ihr das Fahrzeug zu einer x-beliebigen Werkstatt bringt, um nur mal einen Kurzcheck machen zu lassen. Je nach Reaktion bekommt Ihr schon ein besseres Gefühl dazu, ob der Verkäufer ok ist – denn nur ehrliche Leute werden damit kein Problem haben.

Und ansonsten gilt alles, was bei einem normalen Gebrauchtwagenkauf auch gelten würde. Deswegen hab ich jetzt mal nichts zu Reifen usw. geschrieben, denn das ist dasselbe wie bei einem „normalen Gebrauchten“.

Checkt das alles, und macht Euch während der Begutachtung Notizen, damit Ihr beim Verhandeln oder Entscheiden nichts vergesst! Und bitte guckt auch in die Linkliste unten, da stehen noch viele weitere Tipps. Schreibt Euch alles raus, und macht Euch eine eigene Checkliste. Allein durch das „Selberaufschreiben“ werdet Ihr sicherer und behaltet vieles auch schon direkt im Kopf.

Aber seid nicht ZU pingelig – damit stoßt Ihr schlimmstenfalls jeden noch so ehrlichen Verkäufer unter Umständen auch vor den Kopf, wie ich oben schon schrieb. Denkt dran: Ihr kauft einen gebrauchten Wagen mit Geschichte, also ein „Liebhaberstück“ und kein „billiges Neufahrzeug“. Ein Oldie hat was erlebt und Ihr werdet auf jeden Fall immer noch etwas damit erleben, so oder so

Es geht hier alles in allem also immer mehr um Risiko-Bewertung als um den „goldenen Gebrauchtwagen-Schuss“. Damit kommen wir zum abschließenden Thema:

Reparaturen sind für Euch „kein Ding“?

Bei einem Oldie kann (und muss …) man vieles Selbermachen. Alles keine Raketenwissenschaft, wir haben es auch geschafft, aber es hat auch Grenzen.

Selbsteinschätzung und vor allem keine Selbst-Überschätzung ist wichtig. Immer ehrlich überlegen, was man selbst machen kann – und was nicht. Wir haben mit NULL Wissen angefangen und vieles selber geschafft – aber alles am Motor gehört z.B. immer in professionelle Hände. Denkt bitte unbedingt an Eure Sicherheit, und an die der anderen Verkehrsteilnehmer!

Bei Oldies kann man ja zum Glück immer viel reparieren, denn hier herrscht noch keine Computertechnik, allerdings ist es manchmal schwer, passende Ersatzteile zu bekommen. Kennt man also mögliche Fehler und will diese in Kauf nehmen, macht Euch bitte auch noch schlau, ob die notwendigen Teile zu bekommen sind. Und zu welchem Preis.

Und ob Ihr wirklich die Zeit, Nerven und Geduld habt, die es für so ein Projekt nun mal braucht. Ich finde, dass es sich lohnt, denn an den alten Schätzchen KANN man eben noch vieles Selbermachen. Aber ich leugne auch nicht, dass es Blut, Schweiß und Tränen kostet 🙂

Es gäbe bestimmt noch mehr aus dem Nähkästchen zu plaudern, aber das sollte soweit erstmal reichen. Bitte guckt Euch auch noch die nachstehenden Links an, da gibt es weitere gute und umfangreiche Informationen.

Links zu weiteren Checklisten

Checklisten für den WoMo-Kauf gibt es wie Sand am Meer. Wir haben Euch einige gute rausgesucht – denkt nur bitte daran, dass bei einem Oldie bei manchen Ansprüchen etwas Abstriche zu machen sind:

Wenn Ihr weitere gute Links habt, schreibt gern einen Kommentar oder eine Nachricht an uns, Dankeschön!

Hymer Archiv

Speziell für Hymer-Oldies empfehlen wir Euch noch das Hymer-Archiv. Da gibt es die Original-Kataloge, so dass Ihr zu jedem Fahrzeugtyp sehen könnt, wie der original ausgestattet war. So könnt Ihr dann beim Besichtigungstermin gucken, ob und was verändert wurde, und nachfragen, warum das so ist.

https://www.eriba.com/de/service-und-zubehoer/kataloge/

Und am Ende:

Wichtig ist EURE Entscheidung – nicht, was andere denken. Es ist Euer Geld, Eure Zeit, es wird Euer Fahrzeug und Projekt, also müsst IHR auch ganz allein entscheiden, was für Euch ok ist und was nicht.

Wir haben aus Fast-Schrott unser Traumfahrzeug gemacht – andere haben uns für bekloppt erklärt, und ich würde es wahrscheinlich auch nicht nochmal machen wollen.

Andere wiederum wissen sehr genau, was sie wollen und warten eben solange, bis ihnen „DAS“ Wohnmobil über den Asphalt läuft.

Den absolut richtigen Tipp und Weg gibt es da nicht – nur Euren eigenen.

Wir wünschen viel Spass, alles Gute und allzeit gute Fahrt!

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