Schöner Sitzen. (Teil 2)

IMG_7685Wir hatten ja bereits berichtet, dass die Original-Ducato Sitze für uns nicht mehr passend sind:

Sitz! (Teil 1) >>> http://fidelibus287.com/fahrzeug/-sitz/

Da steht auch, was wir alles versucht haben, um sie für uns mit Bezügen, Auflagen, Nachpolstern etc. bequemer zu gestalten.

Doch es bracht alles nichts, es müssen andere Sitze her. Natürlich kann man einfach ein paar Hundert Euro auf den Tisch legen und hat DEN Sitz. Luftgefedert, mit automatischer Kaffee- und Massagefunktion. Sicher geht das. Können wir aber nicht. Wollen wir auch nicht.

Also suchten wir nach einer Alternative. In den Ducato-Foren hatten wir gelesen, dass die Alhambra / Sharan / Galaxy Sitze aus den ersten Baureihen angeblich gut passen, und sogar integrierte Drehkonsolen hätten. Ein Freund fährt einen alten Galaxy WGR, und die Sitze fanden wir recht bequem.

Und plötzlich wurden wir in den Kleinanzeigen fündig: Galaxy/Sharan Sitze zu einem Spottpreis. Aber – Baujahr? Drehkonsolen? Wusste der Typ alles nicht. Egal, fast alles würde besser sein als die „Fiat-Gartenstühle“.

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Ausserdem wollte er nur 25 Euro pro Sitz haben – also gab es nicht viel zu verlieren, und einen schönen Ausflug nach Bückeburg, – also quer durch die Weser-Landschaft rund um Minden und Porta Westfalica – war es allemal wert.

Als wir in Bückeburg ankamen, wollten wir schon fast wieder umdrehen – ein hässliches, abbruchreifes Haus, keine Namensschilder. Von der anderen Strassenseite wurden wir unfreundlich und misstrauisch beäugt, als wir eine Klingel suchten.

Doch da kam der Typ schon aus dem Haus und führte uns in den Garten, wo die Stühle standen. Ok, der Stoff war nicht mehr der Schönste, aber sonst alles top – und die Sitze hatten tatsächlich die integrierten Drehkonsolen drunter. Wegen des ranzigen Stoffes noch runtergehandelt – beide für 45. Nix wie ins Auto damit und los.

45 Euro für zwei Sitze – MIT Drehkonsole! Man darf ja auch mal Glück haben. Jubelnd fuhren wir nach Hause und bauten sie sofort ein.

Einbau

Die alten Sitze wurden inklusive der Sitzschienen entfernt, d.h. einfach rausgeschraubt.

IMG_7194Für die neuen Sitze bohrten wir zwei neue Schraublöcher direkt vorn in die Sitzkonsole. Da die Galaxy-Sitze etwas länger sind als die Ducato-Sitzkonsolen, musste hinten jeweils noch ein kleiner Eisenwinkel zur Verlängerung angebracht werden, damit die neuen Sitze ordentlich aufliegen und verschraubt werden konnten – fertig. Nur beim Fahrersitz war das mit der hinteren Verlängerung etwas nervig, da man zwischen kaum vernünftig zwischen der Fahrersitzkonsole und der dahinterliegenden Aufbauwand schrauben kann. Aber irgendwie ging es dann.

IMG_7225Die Verschraubungen halten und sind auch TÜV-konform. Gelegentlich werden wir dennoch die Verlängerungswinkel verschweissen lassen, da uns das beim Drehen des Sitzes stabiler erscheint. Aber erstmal wollen wir sehen, ob die Sitzposition so dauerhaft für uns ok ist, oder ob wir die Sitze nicht vielleicht noch ein bisschen verschieben.

Die neue Sitzposition ist jetzt gut 4-5 Zentimeter höher als vorher – das ist uns etwas zu hoch, darum möchten wir die Konsolen irgendwann flacher machen. Damit müssen wir jedoch warten, denn die Zentraleinheit der Aufbau-Elektronik befindet sich unter dem Beifahrersitz. Die soll sowieso neu gemacht werden – und dann wissen wir auch, wie tief die Konsolen werden dürfen. Bis dahin nehmen wir gern die höhere Sitzposition in Kauf.

Sitzlein, dreh Dich

IMG_7229Wie geil ist das denn bitte? Drehbare Sitze sind der Hammer! Das ist richtig gemütlich und gibt wirklich mehr Platz im Wagen.

Wenn man die Galaxy-Sitze korrekt wie im Original einbaut (also Beifahrer- als Beifahrersitz und Fahrer- als Fahrersitz), geht die Drehfunktion allerdings nach AUSSEN, weil in einem normalen PKW ja sonst die Mittelkonsole „im Weg“ wäre. Das heisst:

Um den Sitz umzudrehen, zieht man ihn zuerst so weit wie möglich nach vorn, entriegelt dann mit dem seitlichen Plastikhebel die Drehfunktion, dreht den Sitz erst nach aussen, Richtung Tür, und dreht dann weiter nach hinten, so dass er schliesslich wie gewünscht ins Fahrzeug-Innere zeigt, d.h. mit dem Rückenteil in Fahrtrichtung steht.

Man dreht also „Richtung Fahrzeugtür“, NICHT „Richtung Mittelgang“.

Das ist für uns ok. Den Fahrersitz drehen wir im Moment noch gar nicht um, da die kleine Aufbauwand dahinter (von der ehemaligen Mittelsitzgruppe) dies aktuell noch verhindert. Diese kleine Holzwand muss sowieso erst weg – und das werden wir frühestens nächstes Jahr machen. Beim Fahrersitz ging es um bequemeres Sitzen, und das wurde auf jeden Fall erreicht.

IMG_7685Den Beifahrersitz drehen wir allerdings jetzt schon gern um, denn das war ja der Plan: eine Erweiterung der Nutzfläche im Innenraum, wenn man mit dem Wohnmobil irgendwo übernachtet oder ein paar Tage fest steht.

Das Drehen klappt hervorragend – sogar bei geschlossenem Fahrzeug, also ohne das WoMo verlassen zu müssen – darum ist es uns bis jetzt noch egal, ob es sich nach Links oder Rechts dreht.

Manche bauen die Sitze direkt „seitenverkehrt“ ein, damit sie über den Mittelgang drehen können, also: Beifahrersitz auf die Fahrerseite, Fahrersitz auf die Beifahrerseite. Dann kann man zwar über den Innenraum drehen, aber: die Gurthalterungen und die Armlehnen sitzen jeweils auf der falschen Seite. Das muss jeder selbst entscheiden.

Wir finden die Sitzen „richtigrum“ eingebaut besser – zumal das Drehen für uns auch so funktioniert.

Sicherheitsgurte – oder: Gürteltiere im Maxi Cosi

Die Ducato-Sicherheitsgurte passen 1:1 in die Gurtaufnahmen der Galaxysitze. Wir finden es jedoch bequemer, weiterhin die Ducato-„Gurtpeitschen“ zu benutzen, so wie vorher auch. Da die Sitzposition jetzt aber höher ist, sitzen die Gurte recht stramm.

Anekdote – die Gurte saßen SO stramm, dass ich richtig lachen musste: als ich M. bat, mir die Kaugummis aus dem Handschuhfach zu geben, ruderte sie hilflos herum wie ein festgezurrtes Baby im Maxi-Cosi, kam aber keinen Millimeter nach vorn … ;o)

Daraufhin haben wir uns sofort Gurtverlängerungen (siehe Google) bestellt, jetzt ist alles wieder passend und sehr bequem.

Nachtrag – Angeblich benötigen Gurtverlängerungen einen TÜV Eintrag. Unser TÜVer hat mich nur mit erhobener Augenbraue angeschaut, dass ihn DAS nun wirklich nicht interessieren würde. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander, und ich habe noch keine echte rechtliche Grundlage dafür finden können (und da verlasse ich mich NUR auf echte Gesetzestexte, nicht auf irgendwen, der irgendwo irgendwas sagt oder schreibt). Ich denke, die ganze Diskussion soll nur den Verkauf der angeblich „einzigen TÜV geprüften“ Verlängerungen fördern. Und genau deren Link werde ich genau darum hier nicht posten.

Alternativ kann man auch die komplette Gurtpeitsche durch eine längere austauschen. Das werden wir wahrscheinlich gelegentlich tun, weil ich mich aus Gewohnheit immer direkt an der Gurtpeitsche „abklicke“ und dann jedesmal die Verlängerung in der Hand habe … 🙂 🙂 … Gurtpeitschen bekommt man entweder beim Schrotti oder neu z.B. hier:

http://www.stevens-wesel.de/sicherheitsgurte.htm
http://www.stevens-wesel.de/zubehoer5.htm

Entspanntes Fahren

Wir haben jetzt bereits einige Touren mit den neuen Sitzen gemacht und sind absolut begeistert. Früher sind wir leicht „gerädert“ nach mehreren Stunden Fahrt aus dem Womo „gekippt“ – jetzt ist alles schön gepolstert, so macht das Fahren gleich noch viel mehr Spass und man ist auch nach ein paar Stunden noch richtig entspannt.

Mehr Platz. mehr Komfort, mehr Nutzen

Zwischen den Sitzen ist immer noch genug Platz, um eine Kühltasche etc. für unterwegs abzulegen oder nach hinten durchzugehen.

Inzwischen ist auch der Fahrersitz drehbar. Dafür musste aber die niedrige, „nicht-tragende“ Wand hinter dem Fahrersitz raus, an dem sonst die Doppelsitzgruppe befestigt ist. Da wir die aber sowieso nicht mehr haben (wollen), war das kein Problem.

Und damit haben wir die für uns absolut ideale Lösung. Anhalten, Strom anschliessen, Fesnter abdecken, Sitze umdrehen – fertig, genießen. Man muß nichts mehr von „vorn nach hinten“ transportieren, denn alles, was vorn auf dem Armaturenbrett ist, bleibt ja in Reichweite. Auch der Platzgewinn im Fahrzeug ist enorm. Wir hätten nichts Besseres machen können.

Nur an einer richtig guten Tischlösung arbeiten wir noch. Im Moment haben wir einen kleinen Klapphocker mit Tischplatte, aber wir haben viele andere Ideen – mal gucken, was wir davon umsetzen (und wann wir dazu kommen). Erstmal ist es so für uns perfekt.

Die alten Sitze haben wir dennoch aufbewahrt. Sie sind ja nicht „Totalschrott“ – und wer weiss, ob wir sie nochmal für den Erhalt des H Kennzeichens oder als Originalteil für das Wertgutachten benötigen.

Viel Spass beim Nachbauen und Danke für’s Interesse 🙂
Fidelibus287

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