Mobiles Internet: was muss ich beachten?

Ein Artikel (fast) ohne Bilder, mit viel Text, noch nicht ganz fertig formatiert – aber mit hoffentlich vielen für Euch nützlichen Erfahrungswerten und Informationen. Danke für alle, die Anregungen hierzu geliefert haben. Ich werde es sicher nochmal überarbeiten, aber hier ist die erste Version. Nehmt Euch einen Kaffee und danke für Eure Geduld :o)

WLAN unterwegs

Alle Wohnmobilisten sind eigentlich auf der Suche nach Entschleunigung. Dennoch geht fast nichts mehr ohne mobiles, stabiles und möglichst schnelles Internet. Doch:

Was nimmt man dafür? Ist mein Handyvertrag ausreichend? Welcher Anbieter hat keine Funklöcher? Muss es ein Router sein? Wie krieg ich Tablet und Handy zusammen online? Wie verstärke ich das Möchtgern-WLAN auf dem Campingplatz?

Darauf gibt es keine umfassende, universelle Antwort, denn die Fragen sind so individuell wie „Welches Auto brauche ich?“

Berufs-Onliner brauchen ganz andere Lösungen als Kurzurlauber, die nur per Whatsapp und Facebook die Familie auf dem Laufenden halten wollen. Darum kann niemand DIE beste, einzige Lösung anbieten. Und darum geht es hier auch nicht – sondern um Erfahrungsaustausch, Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung und persönliche Tipps. Ich bin seit 20 Jahren im IT Business unterwegs, und fast genauso lange mobil online, ich glaube, das qualifiziert mich ein bisschen ;o)

# Worauf muss ich achten ?

Damit Du im Dschungel der technischen Möglichkeiten nicht den Überblick verlierst, schreib Dir am besten die Antworten zu folgenden Fragen auf:

  1. Datenvolumen, d.h. „Wieviel Internet brauche ich?“ (monatliche Datenmenge in Gigabyte, mehr dazu im Folgenden)
  2. Mit wievielen Geräten: Handys, Tablets, Navi oder Autoradio mit Internetfunktion, Rückfahrkamera mit WLAN Anschluss, …?
  3. Wo, d.h. nur Inland? Europa- oder gar weltweit?
  4. Preisrahmen, d.h. „Was kann/will ich ausgeben“? Nach oben ist wie immer alles offen, aber kaum jemand hat ein nach oben offenes Budget … darum einfach im Kopf behalten, was die Sache maximal kosten darf.
  5. Sonstige Rahmenbedingungen, z.B. Einbaumöglichkeiten, Bedienbarkeit
  6. Besondere Anforderungen (z.B. Berufsonliner mit der Notwendigkeit für stabile Skype-Konferenzen?)

# Datenvolumen

Meistens weiss man „in etwa“, ob man mit dem Handytarif einigermassen „hinkommt“ oder nicht. Dennoch lohnt es sich immer, das Datenvolumen in allen Geräten, mit denen man online geht, zu protokollieren. Allein schon, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Einen entsprechenden „Datenmonitor“ kann man auf allen Handys / Tablets entweder in den Systemeinstellungen oder per App einrichten. So sieht man, wieviele Mega/Gigabyte man (und womit) wirklich verbraucht. Dabei erschrickt man oft schon, was sich da alles mit dem Internet verbindet – und kann das gleich abschalten / feintunen. Das entlastet schon mal den Handytarif. Für individuelle (Geräte)-Tipps bitte einfach Googeln: „Handybezeichnung + Datenvolumen + Check“. Gelegentlich werde ich dazu noch weitere Links/App-Tipps hier hinzufügen.

Viele Vertragsanbieter zeigen den Datenverbrauch auch als Service im Kundenbereich oder auf den Rechnungen an. Allerdings würde ich diesen Angaben niemals blind vertrauen, sie dienen bestenfalls als grober Überblick – falls sie überhaupt stimmen.

#  Nutzungsverhalten

Die rein elektronische Welt und der Dauerzwang „online zu sein“ sollten nicht unser Leben und schon gar nicht unsere Reisen bestimmen. Reisekarten, Stellplatzführer, Bücher haben nichts an Stellenwert verloren. Sie funktionieren stromlos und ausfallsicher. Und wer nicht so viel mitschleppen will: Offline-Karten und Reiseführer kann man schon vorab aufs Handy oder Tablet laden, so bleibt man auch in der digitalen Wüste nicht stehe

Gerade wir „Berufs-Internettler“ sollten hier ab und zu unser Verhalten überdenken, eben _weil_ wir uns mit der Technik, ihren Bedingungen und Folgen gut auskennen. Nicht alles muss sofort ins Blog. Nicht alle, sondern nur die besten Fotos sollten online gestellt werden. Und sogar Facebook überlebt tatsächlich mal ohne uns.

Dieses Gedankenspiel hat einen ganz konkreten Hintergrund, denn: mit meinem Nutzungsverhalten bestimme ich meinen persönlichen „Datenhunger“. Und der wiederum bestimmt die technische Lösung, die ich mir anschaffen muss oder möchte. Und das bestimmt dann meine Kosten und meinen Aufwand.

# Ein Beispiel: Wir.

Unser derzeitiges Nutzerprofil:

Ich würde und als „Poweruser“ bezeichnen. Wir verwalten mehrere Webseiten und Internetgruppen, bloggen, schreiben, fotografieren. Zwei Tablets, zwei Handys. Apple und Android. Die Fotos aus der großen Kamera werden mit einem SD-Karten Adapter direkt auf Handy oder Tablet geladen und dort bearbeitet. Dank Bluetooth-Tastatur und hervorragender Apps ist das Laptop dabei inzwischen völlig überflüssig geworden.

Wir arbeiten auch viel aus der „Cloud“ heraus, d.h. mit Daten von unseren Onlinespeicherdiensten. Allerdings bereiten wir vieles offline am Handy oder Tablet vor und laden es häufig erst hoch, wenn wir wieder zu Hause sind. Schließlich sind wir unterwegs und wollen die Welt REAL und nicht komplett DIGITAL erleben :o)

Hat ein Stellplatz einigermaßen vernünftiges WLAN, freuen wir uns natürlich wie Bolle. Darüber sichern wir dann auch mal „in die Cloud“, allerdings eher nachts – denn während wir Schlafen interessiert es uns nicht, ob das Netz am Camp schnarchlangsam ist und das Hochladen ewig dauert. Egal – zum Frühstück ist es immer erledigt.

Unsere derzeitigen Handyverträge:

Einmal o2, einmal Telekom. Mit Multicards, d.h. der Vertrag wird jeweils auf Handy und Tablet gleichzeitig verteilt und genutzt.

Mit beiden Anbietern haben wir (wie wohl jeder) unsere Story. Bei o2 haben wir einen recht guten Vertrag – aber erst, seit ich mich bis zum Beschwerdemanagement (ja, die haben tatsächlich eins) hochgemeckert habe. Dennoch: wenn der o2 Vertrag ausläuft, wollen wir da weg.

Deswegen prüfen wir im Moment, wie sich der relativ neue Telekom-Vertrag entwickelt. Mit dem überraschend kompetenten Verkäufer im Telekom-Shop habe ich ebenfalls gehandelt wie auf einem nahöstlichen Basar, so dass wir schließlich einen 8 GB Vertrag und Stream On Musicflat auf zwei parallelen Karten (für Handy und Tablet) für rechnerisch 20 Euro pro Gerät bekommen haben. Fürs „echte“ Telekom-Netz mehr als ok. Ja, meine Freunde im Ausland, Ihr dürft ruhig lachen, sowas ist für Euch unterirdisch – aber wir sind halt digitales Entwicklungsland … :o)

Inzwischen kommen wir bei den 8 GB allerdings schon an unsere Grenzen – denn „Stream On“  funktioniert nur in Deutschland. „Stream On“ bedeutet: Musik und Videos, die über bestimmte Portale (Apple Music, Spotify, YT) gezogen werden, zählen NICHT zum Datenvolumen. Das ist toll – aber eben nur in Deutschland. Im Ausland zählt das Streamen dann wieder ganz normal von den 8 GB Datenvolumen runter. Tja, so haben wir dann mit zwei Hollandfahrten ruckzuck das Volumen verbraten, da wir das nicht wussten … also müssen wir das bei unserer weiteren Mobilnetzplanung mitberücksichtigen, denn inzwischen hören wir fast kein normales Radio mehr, sondern nur noch die Streamingdienste.

# Die Möglichkeiten

Gut – hat man sein Nutzungsverhalten so einigermaßen im Blick, geht es an die Lösungsfindung. Hier die technischen Möglichkeiten

1) Handy mit dickem Datentarif als HotSpot

Bei einem ausreichend grossen Datentarif hat man meistens gar keine Fragen, man surft einfach los. Solch ein guter Tarif lässt sich auch mit anderen teilen: man kann das eigene Handy zum „HotSpot“ machen. so dass sich andere Geräte darüber ins Internet verbinden können (sog. „Tethering“ – siehe z.B. hier: Anleitung bei TelTarif)

So können dann auch

a) Geräte, die keine eigene Sim Karte haben, „mitsurfen“
b) Geräte mit einem schlechteren Internettarif den guten Tarif mitnutzen

Das hat aber folgende Nachteile:

# es ist langsamer als ein echter mobiler Router.

# das Handy, das als „Hotspot“ arbeiten muss, verbraucht ordentlich Strom, es benötigt also am besten einen ständigen Stromanschluss oder eine gute Powerbank. Das wiederum tut auf Dauer und bei intensiver Nutzung keinem Handy-Akku wirklich gut, das sollte man berücksichtigen. Für „mal eben“ und „Zwischendurch“ natürlich kein Problem.

# bei manchen Geräten wird der HotSpot inaktiv gestellt, wenn ein Anruf ankommt

# beim iPhone können aktuell maximal fünf Geräte den Hot Spot nutzen, bei anderen Herstellern meistens 10 oder mehr.

2) Dediziertes HotSpot Handy

Wer sein eigenes Handy nicht als HotSpot freigeben mag, aber auch keinen mobilen Router anschaffen will, kann sich u.U. mit einem ausgedienten Smartphone behelfen und das einfach zum dedizierten (also „nur dafür bestimmten“) Hotspot Handy machen.

Dieses HotSpot Handy sollte eine gute Stromversorgung haben und wird mit einer passenden Karte bestückt, mit der es dann ausschliesslich als HotSpot für alle anderen Handys an Bord dient.

So lassen sich auch lokale PrePaid-Karten im Ausland komfortabel nutzen: einfach eine passende Handykarte kaufen, rein ins HotSpot Handy und darüber dann zum günstigen lokalen Tarif surfen, ohne dass ich die Karte/n in einem der anderen Handys wechseln muss.

Wie sich die Geschwindigkeit von dediziertem HotSpot Handy zu echtem WLAN Router verhält, ist noch zu testen und wird immer vom jeweiligen Gerät und den angeschlossenen Nutzern abhängen, ist also nur schwer generell einschätzbar.

3) Mobiler Router

Ein „richtiger“ mobiler Router lohnt sich dann, wenn die Hotspot-Lösung irgendwie nicht ausreichend erscheint oder man sich gern (wie zu Hause) mit einem zentralen, eigenen WLAN verbinden möchte. Je mehr Geräte einen Onlinezugang benötigen, umso eher würde ich zum mobilen Router raten.

Nachteil: Anschaffungskosten und ggf. Einrichtungs/Einbauaufwand

Vorteil: Geschwindigkeit, Signalstärke, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Gerade wenn viele Geräte vorhanden sind, muss man sich nicht mehr Gedanken um die einzelnen Handys, Tarife, Volumen, Geschwindigkeiten etc. machen – sondern nur noch um den einen, zentralen Vertrag für den mobilen Router. Und bei richtiger Router-Auswahl lässt sich im Ausland eine lokale Sim Karte nutzen – so dass man mit etwas schlauem Rechnen u.U. sogar die Anschaffungskosten nach einiger Zeit wieder „drin hat“.

Mit allen Details rund um die mobilen Router, Gerätetipps und Einrichtungshilfen haben sich bereits fast alle großen IT-Magazine ausführlich beschäftigt. Hier die – wie ich finde – besten Links dazu:

CB: WLAN zum Mitnehmen
https://www.computerbild.de/artikel/cb-Tests-DSL-WLAN-Test-Mobile-Router-17960727.html

Chip: „Nehmen Sie Ihr eigenes Internet mit“
https://www.chip.de/artikel/Mobile-WLAN-Router-fuer-den-Urlaub-Nehmen-Sie-Ihr-eigenes-Internet-mit_144650123.html

Connect: Sechs mobile LTE-Router im Vergleich
https://www.connect.de/vergleich/lte-router-mobil-vergleich-test-3198561.html

SmartWeb: Die aktuellen WLAN / UMTS Router von 1&1, Vodafone und Telekom
https://www.smartweb.de/mobiler-wlan-router

4) Old School: Surfstick für das Notebook

Es war damals unsere Entdeckung in Kroatien: der erste Vodafone SurfStick! Mit lokaler Karte rein ins Notebook, und schon mussten wir für die eMails nicht mehr zur Rezeption am Camp latschen. Cooool ! Wir waren die Besten.

Heute haben wir ihn immer noch als liebevolles Andenken rumliegen – und weil er einen zusätzlichen Steckplatz für eine Mini-SD-Karte hat :o)

Wir könnten ihn aber immer noch benutzen, denn Surfsticks haben mitnichten ausgedient: an jeden Laptop kann man immer noch per USB ganz einfach einen solche Stick anschliessen und so den Computer auch zum Router machen. Da wir den Laptop nicht mehr mitnehmen, fällt diese Lösung bei uns aus.

https://www.billiger-telefonieren.de/surfsticks-im-vergleich/

Vorteile: einfache Konfiguration, geringe Kosten

Nachteile: sperrig, langsamer als ein echter Router

5) WLAN am Stellplatz

Die meisten Stellplätze bieten inzwischen WLAN an. Ich persönlich zweifle da immer etwas an der Sicherheit, aber das ist meine eigene Paranoia. Und trotz Paranoia benutzen wir selbstverständlich das WLAN dort, wo wir es kriegen können.

Leider ist die Signalstärke nicht immer die beste – wovon WLAN Signale beeinflusst werden, ist hier sehr gut zusammengefasst:

https://www.wlansignalverstaerken.de/

Und hier einige Lösungsansätze zur „Signalverstärkung“ und Antennennutzung:

https://www.fts-hennig.de/netztechnik/blog/ratgeber-campingplatz-lte-wlan/

WebCatcher-Antennen (teuer, aber gut), ausführlicher Test
https://de.camperstyle.net/produkttest-wlan-verstaerkerantennen-mobiles-internet/

WLAN Repeater (wesentlich günstiger, aber „fummeliger“), ausführliche Beschreibung:
https://www.pc-erfahrung.de/hardware/wireless-lan/campingplatz-wlan-reichweite-erhoehen.html

Eine individuelle Bastelei aus Repeater und Antenne, interessant:
http://dasmachtlaune.de/20171022-wlan-auf-dem-campingplatz-verstaerken

6) Spezielle Lösungen

Der mobile Markt ist wie immer heiß umkämpft. Es ist schlichtweg unmöglich, hier eine ultimative Empfehlung abzugeben, aber es gibt einige interessante Lösungen:

a) Telekom CarConnect – was ich für uns aber bereits mit einem “Nein” getestet habe:
https://fidelibus287.wordpress.com/2018/10/29/mobil-online-telekom-car-connect/
https://fidelibus287.wordpress.com/2018/10/30/telekom-car-connect-nichts-fuer-uns/

b) Vodafone GigaCube – das werde ich mir noch anschauen
https://www.pcwelt.de/a/gigacube-ausprobiert-lte-wlan-router-von-vodafone,3449105

c) CongStar Router – auch den werden wir noch unter die Lupe nehmen
https://www.congstar.de/festnetz-internet/mobiles-internet/mobiler-wlan-router/

. . . und bei 1&1 sowie o2 habe ich noch gar nicht geguckt. Der Bericht geht demnächst noch weiter, aber jetzt wisst Ihr schonmal, was grundsätzlich möglich ist und wonach Ihr für euch gucken müsst.
Zum Asbchluss: Meeeeeppp…. Drrrrrrrrrr … so klang mal ein Modem ;o)

Viele Grüsse, Fidelibus287

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